Sehen und gesehen

27. März 2009

Freies Gymnasium Bern

150 Jahre Freies Gymnasium Bern

Chorprobe im Berner Münster

Die Schule, die sich nicht gleichschalten liess

„150 Jahre Tradition und Innovation“ ist das Motto der Jubiläumsfeiern des Freien Gymnasium Bern. Auftakt gab am Samstag der Festgottesdienst im Münster und die Vernissage des Jubiläumsbuchs im „Bellevue-Palace“.

Bild und Text: Silvia Pfenniger

Es ist selten, dass alle sieben Glocken des Münsters einen Festgottesdienst einläuten wie am Samstag. Die Jubilarin ist immerhin das dritt älteste Gymnasium des Kantons Bern und kann sich rühmen ihre Unabhängigkeit bis heute bewahrt zu haben. Theodor von Lerber, der aus einem alten Berner Patrizierfamilie stammt gründete 1859 die nach ihm benannte christliche Schule als Gegensatz zum damals aufkommenden Bildungsideal des liberalen Staates. 1877 entschied sich die Schule auf Gemeindebeiträge (Burgergemeine und Einwohnergemeinde) zu verzichten, um „sich nicht gleichschalten zu lassen“.  Regierungsrat Albert Bitzius, Sohn von Jeremias Gotthelf und selber ehemaliger Pfarrer, verbot der Burgergemeinde auch den Kauf von Aktien im damals enormen Betrag von 50’000 Franken.

Charles Juillerat, Präsident des Schulvereins, Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident, Gemeinderätin Edith Olibet, Rektor David Lingg und Franz von Graffenried, Präsident der Burgergemeinde.Charles Juillerat, Präsident des Schulvereins, Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident, Gemeinderätin Edith Olibet, Rektor David Lingg und Franz von Graffenried, Präsident der Burgergemeinde.

“Jetzt muss die Schule ganz vom Glauben leben”

Von Lerber schrieb dazu in sein Tagebuch: „Mittags war Burgergemeinde. Leichenrede des Burgerrates betreffend die 50’000 Franken, die jetzt anständig begraben sind. Friede ihrer Asche.“ Und gibt zu bedenken: „Es ist vielleicht gut, dass die Schule nichts mehr von den Behörden hat. Sie muss jetzt ganz vom Glauben leben.“ Körperliche Züchtigung war gang und gäbe. Doch sollte sie nicht im Zorn sondern gezielt, eingesetzt werden, glaubt von Lerber, der bei seinen Zöglingen grosses Gewicht auf Disziplin und Ordnung legte. Charakterbildung war in seiner Schule ein zentrales Anliegen.

Das Jubiläumsbuch, das Prorektor Christoph Grädel unterstützt von Professor Benedikt Bietenhard, Historiker am Freien Gymnasium verfasste, strotzt von aufschlussreichen Anekdoten und faszinierenden Einblicken in die Berner Geschichte.

(Für Grösse Fotos anklicken!)

Professor Benedikt Bietenhard und Prorektor Christoph Grädel mit ihrem Jubiläumsbuch. Professor Benedikt Bietenhard und Prorektor Christoph Grädel mit ihrem Jubiläumsbuch und Rektor David Lingg. Professor Benedikt Bietenhard, Prorektor Christoph Grädel mit dem Jubiläumsbuch und Rektor David Lingg.

Zudem sind im Jubiläumsbuch Maturjahrgänge von 1960 bis 2009 mit Namen und Bildern vertreten. Die Autoren und das Buch, das in der Buchhandlung Libromania an der Länggasse 12 für 50 Franken zu haben ist, wurde während dem Festakt im „Bellevue-Palace“ entsprechend begeistert gefeiert. Rektor David Lingg konnte 350 Gäste begrüssen. Darunter zahlreiche ehemalige Schüler und Schülerinnen, und Lehrer. Charles Juillerat, Präsident des Schulvereins konnte etliche der rund 1200 Mitglieder begrüssen.

Charles Juillerat, Präsident des Schulvereins mit seiner Ehefrau und Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident Gemeinderätin Edith Olibet und Regierungsrat Bernhard Pulver Rosemarie und Charles Juillerat, Präsident des Schulvereins mit Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident (links). Gemeinderätin Edith Olibet und Regierungsrat Bernhard Pulver (rechts).

Unter den Ehrengästen waren auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät, Regierungsrat Bernhard Pulver, Gemeinderätin Edith Olibet und Franz von Graffenried, Präsident der Burgergemeinde, die eine gute Beziehung zum „Freigymer“ bekundeten. Seit 1964 erfreut sich die freie Schule ja auch staatlicher Unterstützung und dies ohne die von von Lerber einst verlangten Konzessionen.

Die Schüler waren beim Festakt im Bellevue nicht dabei. Sie wurden von Livia von Samson, Harfe und Annina Schenker, Violine auf der Bühne ausgezeichnet vertreten

Talentierte Schülerinnen des Freigymers: Livia von Samson, Harfe und Annina Schenker, Violine. Annina Schenker, Violine und Livia von Samson, Harfe Talentierte Schülerinnen des Berner Freigymers: Livia von Samson und Annina Schenker. Rektor David Lingg dankt Livia Samson und Annina Schenker Livia von Samson, Harfe

Zum Schluss der Feier begeisterte das Streichquartett Margot Liechti, Andrea Bachmann, Serena und  Jana Grädel. Die Pflege der Musik zählt zur Schultradition.

Margot Liechti Jana Grädel Andrea Bachmann und Serena Grädel Margot Liechti (links), Jana Grädel (mitte) und Andrea Bachmann und Serena Grädel (rechts).

Festgottesdienst im Münster

Am nachmittäglichen Festgottesdienst im Münster nahmen über 700 Freunde des «Freigymers» teil. Im 150-köpfigen Chor waren Schüler und Schülerinnen mehrheitlich vertreten, ergänzt durch Lehrpersonen und Eltern. Für den Chor wars eine Art Hauptprobe.

Probe des Freigymer-Chors im Berner Münster Der Chor des Freien Gymnasiums im Berner Münster Prorector Christoph Grädel spielte mit dem Müsinger Orchester Micha Hornung, Dirigent und Musiklehrer Freies Gymnasium Micha Hornung, Dirigent und Musiklehrer Freies Gymnasium Prorector Christoph Grädel spielte mit dem Müsinger Orchester (links). Micha Hornung, Dirigent und Musiklehrer Freies Gymnasium (rechts)

Am 7. und 8. Mai setzt der Chor in der Französischen Kirche mit Haydns «Schöpfung» die Jubiläumsfeierlichkeiten fort, die ein Musical im November beenden wird.

Das Buch zum Jubiläum gibts in der Buchhandlung LibRomania an der Berner Länggassstrasse 12, zum Preis von 50 Franken.

Für Infos zum Freien Gymnasium Bern: http://www.fgb.ch/

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