Sehen und gesehen

23. Oktober 2007

CEO Emanuel Probst zum Erfolg der Jura-Kaffeemaschinen

Kurbelt Roger Federer das Umsatzwachstum an?

Text und Bilder: Silvia Pfenniger

Interview mit Emunuel Probst, CEO der Jura Elektroapparate

Emanuel Probst und Roger Federer bei der Eröffnung der JURAworld of Coffee in Niederbuchsiten.Emanuel Probst und Roger Federer bei der Eröffnung der JURAworld of Coffee in Niederbuchsiten.

Im Zürcher Hyatt Park Hotel wurde die Jura Elektroapparate AG, Niederbuchsiten mit dem GfM-Preis 2007 geehrt. Der begehrte Preis der Gesellschaft für Marketing wurde CEO Emanuel Probst überreicht, der das in den 90er Jahren schwächelnde Unternehmen auf Erfolgskurs brachte. Das Interview zum Erfolgrezept, Plänen, zur JURAworld sowie zu miserablem Kaffee und Kaffee für Geniesser.

Emanuel Probst, CEO, und Ehefrau Marianne Probst, Projektverantwortliche, der Jura Elektroapparate AG.Emanuel Probst, CEO, und Ehefrau Marianne Probst, Projektverantwortliche, der Jura Elektroapparate AG.

Perfekt inszeniert bei der Preisverleihung: Elmar Wohlgensinger, GfM-Ehrenpräsident, mit Emanuel und Marianne Probst.Perfekt inszeniert bei der Preisverleihung: Elmar Wohlgensinger, GfM-Ehrenpräsident, mit Emanuel und Marianne Probst.

Herr Probst, in den 90er Jahren, noch vor Ihrer Zeit als Direktor, hatte das Jura-Unternehmen existentielle Schwierigkeiten. Doch nun weisen Sie seit zehn Jahren mit Ihren Kaffeemaschienen ein zweistelliges Wachstum aus. Sie spielen in der Top-Liga auf dem Weltmarkt. Wie laufen die Geschäfte dieses Jahr?

Es bahnt sich ein Rekord von bis zu 17% Umsatzwachstum an.

Hat dies mit Roger Federer zu tun?

Auch, aber nicht nur. An unserem Erfolg sind mehrere Faktoren beteiligt. Wir haben eine starke Produktepipeline mit neuen Produkten bis 2009. Zur Zeit hecken wir bereits die Modelle für 2010 bis 2011 aus. Ein weiterer Faktor sind die wachsenden Vertriebskanäle.

Jura wird immer globaler? Wo liegen Ihre starken Märkte?

Nach Deutschland gefolgt von der Schweiz folgt an dritter Stelle bereits Russland, das Österreich überholt hat. Stark sind wir auch in Holland, den USA, Kanada, Spanien, sowie Nordeuropa, und den neuen Märkten wie Polen, Südkorea, Australien und Südafrika.

Planen Sie dort auch eigene Niederlassungen?

Ja, aber nach Möglichkeit in Form eines Joint Ventures zusammen mit unseren lokalen Partnern.

Wie steht es mit der Schweiz?

Auch da gibt es nach langem Seitwärtsbewegen wieder eine Anstieg und dies hat bestimmt auch mit Federer zu tun.

Wieviel lassen Sie sich diese Werbung kosten?

Wir haben einen langfristigen Vertrag und Roger Federer hat mir beim Fotoshooting vor zwei Wochen gesagt, dass er mit der Zusammenarbeit sehr glücklich ist. Er ist nicht sehr geldorientiert. Für ihn muss die Sache gefallen. Klar muss auch das Geld stimmen. Wieviel es ist, geben wir nicht bekannt.

Wie hoch sind die Gesamtkosten für PR und Werbung?

Rund sechs Prozent des konsolidierten Umsatzes, der dieses Jahr zwischen 370 und 380 Millionen liegen wird.

Wie gross ist daran der Gastro-Anteil? Wieviele Kaffeemaschinen verkaufen Sie an Hotels und Restaurants?

Während wir im Horeca-Bereich in Deutschland sehr stark sind, sind wir diesen in der Schweiz noch am aufbauen. Weltweit liegt der Gastro-Anteil bei rund 10 Prozent der Stückzahl und 20 Prozent des Umsatzes.

Wieviele Maschinen verkaufen Sie weltweit?

Dieses Jahr werden es 280′000 Vollautomaten sein.

Warum ist der Swiss-Gastro-Anteil relativ klein?

Daran sind vor allem wir selber schuld. Unser Business to Business Geschäft ist in der Schweiz nicht sehr stark. Im Vergleich mit Deutschland haben zu wenig Leute in diesem Bereich, aber das wollen wir verbessern.

Und damit auch die Qualität des Kaffees gewisser Frühstückbuffets?

Ja, durchaus. Als Gast staune ich immer wieder, dass selbst in Spitzenhotels noch immer ein Kännchenkaffee serviert wird, dessen Qualität miserabel ist. Da sind die Hotelgäste von zu Hause wirklich etwas Besseres gewöhnt. Da wird in den Hotels teilweise noch schwer gesündigt. Im Vergleich dazu hat sich die Situation im Schweizer Seminarbereich stark gebessert.

Und in Deutschland insgesamt?

In der Spitzenhotellerie gibt es dort kaum mehr ein Frühstückbuffet mit Kännchen-Kaffee ohne Schäumchen.

Bei der GfM-Preisverleihung im Hyatt Park Hotel in Zürich, moderiert von Sven Epiney.Bei der GfM-Preisverleihung im Hyatt Park Hotel in Zürich, moderiert von Sven Epiney.

Haben Sie noch ein paar Tips?

Für eine optimale Kaffee-Extraktion sollte das Wasser unter dem Siedepunkt liegen. Ist die Wassertemperatur zu hoch, wird Ihr Kaffee bitter; ist sie zu niedrig – erhalten Sie einen sauren, faden und dünnen Kaffee.

Neu bieten Sie auch Seminare an . . .

Ja, ergänzend zu unserer Kaffee-Erlebniswelt JURAworld of Coffee haben wir soeben die JURAworld of Coffee Academy eröffnet und bauen somit unser Seminarangebot weiter aus. Neben Fachhändlern und Distributoren aus aller Welt, finden JURA-Kunden und -Mitarbeitende in Niederbuchsiten Gelegenheit, in erlebnisorientierten Seminaren ihr Kaffeewissen zu vertiefen, in unserer neuen, hauseigenen Röst-Fabrik selber Kaffee zu rösten und mit modernsten JURA Kaffeespezialitäten-Vollautomaten perfekten Kaffeegenuss zu zelebrieren.

Was bietet Ihr neuster Kaffee-Vollautomat wirklich anderes? Gibt es da noch Unterschiede, für den Kaffeegeniesser?

Mit der neuen IMPRESSA Z5 2@1 bringt JURA die neue Generation in den Fachhandel. Auf Knopfdruck bereitet sie parallel gleich zwei Kaffee-Spezialitäten wie Latte Macchiati in Perfektion zu. Möglich macht dies die „One Touch Cappuccino-Düse“, die bereits bei der ersten Generation den Markt der Kaffeespezialitäten-Vollautomaten revolutionierte. Mit der neuen IMPRESSA Z5 2@1 gehen wir nun einen Schritt weiter. Ein Knopfdruck genügt, und heisse Milch, leckerer Milchschaum und Espresso für zwei Latte Macchiati ergiessen sich parallel über den Doppel-Kaffeeauslauf in die Gläser. Und dies ohne Verschieben der Tassen und ohne mühsames Aufschäumen der Milch. Zudem bringen wir Mitte Oktober eine komplett neue Kompakt-Baureihe auf den Markt. Die ENA ist unser erstes Einsteiger-Gerät und mit ihren 23,8 cm der weltweit schmalste Kaffeespezialitäten-Vollautomat.

Und was haben Sie fürs 2009 in der Pipeline?

Wir werden unsere Profi-Vollautomaten weiter ausbauen und wollen auch weiterhin Kaffeegeniesser mit regelmässigen Innovationen im Haushalt- und Profi-Bereich überraschen.

Wie hat sich, die vor einem Jahr eröffnete Erlebniswelt JURAworld of Coffee entwickelt? Wieviele Besucher hat es?

Marianne und Emanuel Probst in der JURA-world of Coffee.Marianne und Emanuel Probst in der JURA-world of Coffee.

In unserer JURAworld of Coffee finden regelmässig interne und externe Events statt. Vor allem Firmen, Gesellschaften und Vereine besuchen uns zahlreich mit ihren Seminaren und Veranstaltungen. Per Ende September 2007 zählen wir 17’600 Individual- und Gruppenbesucher.

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