Sehen und gesehen

25. Januar 2009

WEF-Global Agenda Councils / Direktorin Martina Gmür

Interview mit Martina Gmür, WEF-Direktorin und Leiterin Network of Global Agenda Councils

Ein Netzwerk bester Köpfe

Interview und Fotos Silvia Pfenniger


Martina Gmür, WEF-Direktorin Network of Global Agenda Councils

WEF-Direktorin Martina Gmür: “Wir sind an einem Wendepunkt. Doch das grosse Engagement und die Zusammenarbeit des Global Agenda Councils lassen hoffen.”

Professor Klaus Schwab, Gründer und Präsident des World Economic Forums WEF hat die besten Köpfe der Welt, darunter mehrere Nobelpreisträger nach Davos eingeladen, um dort die Staatschefs mit Ideen und Vorschlägen zu konfrontieren. Ideen und Vorschläge um gewaltigen Probleme – wie die Wirtschaftskrise, Wassermangel, Klimaerwärmung, Aids, Alternative Energie,  -  anzugehen und Lösungen zu finden. Das Netzwerk, dem Top-Fachleute – Wissenschafter, aber auch NGOs – angehören, wurde vor einem Jahr am WEF 08 in Davos lanciert. Im November fand die erste Konferenz in Dubai statt, wo sich bereits 700 Mitglieder ans Werk machten. WEF-Direktorin Martina Gmür leitet und koordiniert das illustre Team, namens Network of Global Agenda Councils.

Frau Gmür, Professor Schwab nennt Ihr Forum das beste Intelligenz- und Wissensnetzwerk der Welt? Wer sind die Mitglieder?

Es sind Menschen, die in einem bestimmten Bereich über hervorragendes Wissen verfügen. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kunst.

Zum Beispiel?

Bei der Gruppe Wassermangel ist Nestlé-Chef Peter Brabeck dabei, beim Sport, wo über die Rolle von Sport und Gesellschaft nachgedacht wird, ist Sepp Blatter Mitglied, das Rote Kreuz ist duch IKRK-Generaldirektor Angelo Gnädinger vertreten, und bei der Gruppe Aids Peter Piot, der Direktor von UNAIDS, um nur ein paar Schweizer zu nennen. Unter den internationalen Spezialisten ist Larry Summers, der just von Barack Obama zum nationalen Wirtschaftsberater in die Regierung berufen wurde, oder Martin Wolf, Buchautor und Kommentator der Financial Times, Al Gore und der indische Nobelpreisträger Rajendra K. Pachauri, Mitglied des Weltklimarates.

Was ist der Sinn und Zweck dieses tatsächlich sehr illustren Forums?

Die Probleme in der heutigen Welt sind so komplex, dass es ein übergeordnetes Gremium braucht, wo das Fachwissen ausgetauscht wird, wo Erfindungen und neue Ideen eingebracht werden und an die Entscheidungsträger der Wirtschaft und Politik weitergeleitet werden. Die Mitglieder unseres Forums, die im November in Dubai zum ersten Mal tagten und jährlich drei mal Online Erfahrungen und Wissen austauschen, werden auch am Forum in Davos aktiv sein, wo sie weitgehend die Themen für die Podiumsdiskussionen und Konferenzen eingebracht haben.

Nennen Sie ein praktisches Beispiel . . .

Unsere Gruppe Regierungsberater hat die Fragen vorbereitet mit denen Putin in Davos zur Zukunft Russlands konfrontiert wird. Mit dem japanischen Premier ist ein privates Meeting mit Mitgliedern unseres Forums geplant. Hauptthema wird die Wirtschaftskrise sein. An der Abschlusskonferenz in Davos am 31 Januar wird eine entsprechender Botschaft des World Economic Forums veröffentlicht.

Martina Gmür, WEF-Direktorin Global Agenda Councils und Kronprinz Haakon von Norwegen Martina Gmur und Kronprinz Haakon von Norwegen

Was raten die illustren Köpfe?

Das grösste Problem ist, das Vertrauen wieder herzustellen und dies auf allen Ebenen.

Und wie soll dies geschehen?

Durch konkrete Zusammenarbeit, bei der nicht jeder nur auf den eigenen Vorteil aus ist. Zudem soll das, was man sagt, mit dem übereinstimmen, was man tut.

Haben Sie dazu ein konkretes Beispiel?

In unserem Forum gilt es nicht nur ein Problem vorzuziehen und darüber die anderen zu vergessen. Durch die breit gefächerte Zusammensetzung des Forums  werden auch andere Sichtweisen und Standpunkte eingebracht. Das gilt für die Gruppe, welche die Forschung und Weiterentwicklung eines elektrischen Autos vorantreibt, ebenso wie die Gruppe, die sich mit der Unterernährung in armen Ländern befasst.

Wie lauten die konkreten Lösungsansätze und Vorschläge?

Eine Gruppe befasst sich zum Beispiel mit der Unterernährung in armen Ländern. Mit Krankheiten, die durch den Mangel an Mikronährstoffen entstehen. Mikronährstoffe sind Spurenelemente, die der Körper braucht. Zum Beispiel Eisen, Kobalt, Chrom oder Selen. Man könnte diese noch vermehrt den Grundnahrungsmitteln beifügen,  und zwar auf die individuellen Bedürfnissen eines Landes zugeschnitten. In der Schweiz wird dem Salz seit Jahren Jod beigefügt. Damit ist die einst stark verbreitete Schilddrüsen-Krankheit Kropf fast verschwunden.

Martina Gmur und der finnische Philosoph Pekka HimanenMartina Gmur und der finnische Philosoph Pekka Himanen

Informieren Sie auch die Öffentlichkeit über das grosse Wissen, das in Ihrem Forum zusammenkommt?

Etliches hat bereit den Weg ins Internet gefunden. Via World Economic Forum haben wir auch ein grosses weltweites Beziehungsnetz zu den Medien.  Bei uns im Forum sind auch ein paar Topleute aus den Medien vertreten.  Zudem werden wir weltweit auf Englisch via Internet von unseren Erkenntnissen, Ideen und allfälligen Fortschritten berichten. Auch über die Highlights von den Treffen in Davos. Hier der Link dazu!

Sie sind beim Endspurt mit den Vorbereitungen. Wie sieht der Arbeitstag der Forums-Direktorin aus?

Zeitlich beginne ich um 8.30 und arbeite wenn’s gut geht bis 20 Uhr manchmal auch bis Mitternacht. Ich bin vor allem mit dem Koordinieren zwischen all den verschiedenen Gruppen beschäftigt, um die Synergien möglichst zu nutzen und den Austausch zwischen all den Fachleuten zu fördern und aktivieren.

Martina Gmür, WEF-Director Network of the Global Agenda, Erwan Michel-Kerjan, Wharton School, und Christophe Beck, Ecolab Inc.Martina Gmür, WEF-Director Network of the Global Agenda, Erwan Michel-Kerjan, Wharton School, und Christophe Beck, Ecolab Inc.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am Besten?

Alles! Es ist faszinierend und gewährt den Blick auf unsere zukünftige Welt, die wir mitprägen können. Und auf einen guten Weg bringen, falls wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen. Das braucht es unbedingt. Wir können nicht mehr so weiter kutschieren. Wir sind an einem Wendepunkt! Das spürt man in unserem Team sehr stark. Die Beteiligten sind ausserordentlich motiviert und via mails in Kontakt. Das gemeinsame Engagement von allen Seiten lässt hoffen.

Martina Gmür, WEF-Direktorin Global Agenda CouncilsMartina Gmür, WEF-Director Network of the Global Agenda


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