„Bankier Hans Vontobel: „Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen.“
Hans Vontobel, Grandseigneur der Bankenwelt, gab in der Buchhandlung Stauffacher in Bern Denkanstösse. Die Fragen stellte seine Biografin Susanne Giger. Die Wirtschaftsjournalistin hat in ihrem Buch „Hans Vontobel – Bankier – Patron – Zeitzeuge ihre Gespräche mit dem Bankier aufgezeichnet.
Bankier Hans Vontobel mit seiner Biografin Susanne Giger
Text und Bilder: Silvia Pfenniger
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„Ich kann es nicht leicht wegstecken, wenn ich angegriffen werde“, antwortete Hans Vontobel auf die Frage, warum er nicht Politiker, sondern Bankier geworden sei. Dass er heute noch mitten in der Bankenkrise rundum Lob und Respekt erntet, hat wenig mit seinem Beruf, mehr mit seiner Persönlichkeit zu tun. Als der 92-Jährige am Montagabend von seinem Leben und seinen Erfahrungen sprach, war es in der Buchhandlung Stauffacher mucksmäuschenstill. Er faszinierte die jungen und alten Zuhörenden gleichermassen.
Offen geht er auf die Fragen von Susanne Giger ein – ohne sich zu schonen. Mit „Stolz“ erfüllt ihn „dass ich in meinem Leben immer meine Meinung sagte und meinen eigenen Weg gegangen bin“. Es sei kein leichter Weg und nicht immer ein schöner, sagt er. „Bei uns ist Vieles nicht in Ordnung, aber Vieles noch besser als anderswo.“ Dass es uns – gemessen an Anderen – gut gehe, wecke Begehrlichkeit. Mit „wachsender Begehrlichkeit“, erklärt er die Kritik von unserem nördlichen Nachbarn. Zudem sei das Verhältnis gross klein immer zwiespältig. Damit müsse man leben.
“Wenn sie sich nur Freunde machen wollen, kommen sie in der Wirtschaft nirgends hin“
“Wenn sie sich nur Freunde machen wollen, kommen sie in der Wirtschaft nirgends hin“, sagt der Bankier knallhart. Hart und diszipliniert ist er auch gegenüber sich selber. Der Tag des 92-Jährigen beginnt in der Regel um sechs Uhr mit einer Stunde turnen. Mit dem Tram fährt der Ehrenpräsident des Verwaltungsrates der Vontobel Bank in der Regel frühzeitig ins Büro. In letzter Zeit lasse er sich auch mal von seiner Haushälterin ins Büro fahren, schränkt Hans Vontobel ein und gesteht: „Und hie und da geniesse ich den Luxus einfach eine Pause zu machen und Wandern zu gehen.“
Hans Vontobel mit “Screwdriver” gemixed aus Vodka und Orangensaft. Zu seinem Lieblingsdrink sagt der Bankier: “Vorsicht! Der Drink sieht seriös aus, ist es aber nicht – das ist wie bei den Bankiers!”
Kontakt zu den Menschen auf der Strasse
Die vielen Reisen, die Hans Vontobel noch immer unternimmt, seien vor allem geschäftlich, sagt der Bankier. Dazu zählt er auch Kontakt zu den Menschen auf der Strasse. Und dies nicht nur, weil er von Natur aus sehr neugierig sei. „Manchen Misständen kommt man nur so auf die Spur.“ In Kontakt mit der Bevölkerung zu bleiben. Diesen Rat würde der Bankier auch den Bundesräten geben. Als Verwaltungsrat der Bankiervereinigung war Hans Vontobel zwischen 1970 und 1990 oft in Bern und mit den Bundesräten in Kontakt. Zum Beispiel mit Bundesrat Fritz Honegger. Dieser habe ihm einst beim Abschied gesagt: “Komm bald wieder. Ich bin sehr allen.” Das Alleinsein kennt Hans Vontobel auch aus eigener Erfahrung.
„Je höher die Position ist, desto einsamer wird man“
„Je höher die Position ist, desto einsamer wird man“, sagt der Bankier. Dass er just am Vortag von der Universität Zürich für seine Grosszügigkeit und sein Engagement für das Gemeinwohl mit dem Titel „Ständiger Ehrengast“ geehrt wurde, nimmt der mannigfach mit Titeln Ausgezeichnete freudig gelassen. Ausschlaggebend sei die Leistung und nicht Name und Titel hat er schon früh von seinem Vater gelernt. Gibt es etwas, das er rückblickend besser machen würde? “Ich würde mir mehr Zeit für meine Familie nehmen”, sagte der Bankier.
Das Buch „Hans Vontobel – Bankier – Patron – Zeitzeuge” von Wirtschaftsjournalistin Susanne Geiger ist im Verlag Römerhof erschienen. In ihren Gesprächen mit Hans Vontobel zeigt die Autorin den Bankier von einer persönlichen Seite. Leseprobe: www.roemerhof-verlag.ch


[...] Der 92-Jährige Bankier Hans Vontobel: “Es kommt nicht darauf an, ob ich erwischt werde oder nicht. Ich versuchte im geschäftlichen und privaten Bereich immer anständig zu leben.” (Siehe auch Hans Vontobel im Gespräch – klick!) [...]
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