«Hamster sind für Kinder nicht geeignet»
Viele Heimtiere leiden bei Besitzern, weil sie falsch gehalten werden. Der Heimtier-Workshop im Berner Tierpark Dählhölzli informierte Kinder und Eltern.
Text und Bilder: Silvia Pfenniger
«Wer hat zu Hause ein Tier?», wollten die beiden Tierpfleger Dominic Ruetsch und Heinz Stämpfli im Dählhölzli-Unterrichtssaal einleitend wissen. Kindergärtner Louis Stoll meldete sich als Erster: «Ich habe zwei Kaulquappen.» Und mit einem Blick auf seine Mutter Franziska Stoll ergänzte er: «Und zwei Graupapageien.» Daran, dass bei Louis Stoll Kaulquappen in einem Aquarium leben und Fischfutter erhalten, hatte Heinz Stämpfli nichts auszusetzen. «Aber wenn sie Frösche werden, bringst du sie in den Weiher zurück.»
Tierpfleger Dominic Ruetsch, Lea Karlen, Louis Stoll und Lou Monnier mit einer Krötenechse.
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«Hamster schlafen tagsüber»
Dann war Heinz Stämpflis Sorgentier, der Hamster, an der Reihe. Als Stolls Sitznachbarin gestand, dass sie ihrem Hamster nur alle drei Tage frisches Wasser gäbe, gabs einen Rüffel vom Tierkenner. Und als er von der Besitzerin erfuhr, dass sie den Hamster regelmässig aufwecke und zum Spielen aus dem Käfig nehme, fand er dies gar nicht lustig. «Hamster sind nachtaktive Tiere und sollen tagsüber möglichst ungestört schlafen können», erklärte Stämpfli und meinte: «Hamster sind für Kinder ungeeignet.» Ihn ärgere zudem, dass Hamster meist in zu kleinen Käfigen gehalten würden. Da müsse sich die ganze Familie an die Arbeit machen und mit Fantasie ein artgerechtes Heim für Hamster basteln. Dieses müsse sich nicht über die ganze Wohnung ausdehnen, erklärt Stämpfli, sondern könne in die Höhe wachsen.
Hamsterrad ist eine Qual
Ein Heim mit Treppenverbindung biete dem Hamster einen guten Lebens- und Kletterraum. Als das «dümmste Spielzeug» bezeichnet Stämpfli das Hamsterrad, das in Tierhandlungen angeboten wird. Das sei für den Hamster eine Qual, besonders wenn seine Füsschen hängen bleiben und sich das Rad überschlägt. Damit die Zähne nicht verwachsen, braucht der Hamster auch Hartes zum Beissen. Etwa eine ganze Haselnuss. Und für die Zehenmaniküre kann man ein Stückchen Sandpapier auf dem Futterweg des Hamsters befestigen.
Familienrat konsultieren
Ob Hamster, Hund, Katze, Schlange oder Papagei: Eines wurde am Heimtierworkshop bald klar. Heimtiere sind nicht pflegeleicht, wenn man sie artgerecht halten will. Dominic Ruetsch rät deshalb zum Familienrat, bevor ein Tier ins Haus kommt. Auch die Frage, was in den Ferien passiert, müsse geklärt werden. Das gelte auch für Kaninchen und Meerschweinchen, die nicht nur artgerecht gefüttert, sondern auch beschäftigt werden wollen. Nie dürfe man diese Tiere, wie es leider allzu häufig der Fall sei, am Nacken aufheben», betonte Stämpfli. «Das ist für das Tier eine absolute Qual!» Wohl aus Rücksicht auf die Tiere waren am Workshop bloss eine kleine Schlange und eine Krötenechse live dabei, nebst der bekannten Dählhölzli-Sammlung von Tierschädeln.
Kurse bietet das Dählhölzli (klick!) am 19.August und 14.Oktober an, jeweils 17 bis 18.30 Uhr. Anmeldung: an der Kasse, Tel. 031 3571515. Informationen zu Heimtieren auch unter www.tierschutz.or (klick!).
