Sehen und gesehen

17. Juli 2011

Haus der Religionen in Bern

Porträt

Guido Albisetti, Stiftungsratspräsident Europaplatz – Haus der Religionen

Guido Albisetti und Gerda Hauck

Guido Albisetti mit Gerda Hauck, Präsidentin Haus der Religionen.

Text und Bilder: Silvia Pfenniger

Weltweit einzigartig ist das Bauprojekt “Haus der Religionen am Europaplatz”. Für dieses Vorhaben wirkt Stiftungsratspräsident Albisetti als ehrenamtlicher Leiter der Geldsammler.

Persönlich. . .
Der Berner Rechtsanwalt Guido Albisetti (58) ist seit 28 Jahren in der Von Graffenried Gruppe tätig, seit 2004 als GL-Vorsitzender. Er leistet zwischen 10 und 20 % seiner Arbeit für das öffentliche Wohl. Zur Zeit sind es u.a. 24 Stiftungen, die er im Rahmen des Kompetenzzentrum Stiftungen der Von Graffenried-Gruppe betreut und teils präsidiert. Der Bernburger ist mit Anne-Marie Albisetti-von Graffenried verheiratet und ist Vater von vier erwachsenen Kindern.

“Es gibt sehr grosszügige

Menschen in Bern”

Im provisorischen “Haus der Religionen”, aus ein paar gemieteten Räumen an der Laubeggstrasse 21, versuchen über 100 Mitglieder und Gäste einen Stuhl für die Jahresversammlung zu ergattern. Stiftungsratspräsident Guido Albisetti thronte nur kurz auf seinem reservierten Platz am Vorstandstisch. Als sei ihm ein Streich gelungen, beobachtet er das Gedränge spitzbübisch lachend aus der hintersten Ecke des prallvollen Raums. Passend zu seiner Devise: “Servir et disparaître” – dienen und wieder verschwinden. Dies gilt auch fürs Bauprojekt “Haus der Religionen”. “Wir von der Stiftung sind die Geldsammler, Seele ist der Verein mit der hervorragenden Präsidentin Gerda Hauck und Geschäftsführer Hartmut Haas. Sie verdienen im Zentrum zu stehen.” Doch Albisettis Rückzug erspart auch ihm Lob und Applaus nicht.

Hartmut Haas, GeschäftsführerHartmut Haas, Geschäftsführer

“Der Verein ist die Seele, wir von der Stiftung sind die Geldsammler die Brückenbauer, vom Haus der Religionen.”

Die Schulter an Schulter sitzende Gemeinschaft ist ausserordentlich gut gelaunt. Alle Beteiligten haben letztes Jahr um ihr Projekt gezittert, weil noch vier Millionen Franken fehlten. Doch inzwischen haben die reformierte und die katholische Gesamtkirchgemeinde Bern je ein zinsloses Darlehen zugesagt, falls das Haus der Religionen gebaut werde. Es handle sich dabei um langfristige, zinsfreie Darlehen erklärt Albisetti. Zudem “hofft und denkt” er, dass dem beachtlichen Zustupf von 2,4 Millionen des Lotteriefonds bald nichts mehr im Wege stehe und der Grosse Rat diesen im Herbst bewillige. Viele freuen sich bereits über “das Wunder von Bern”. Doch Albisetti warnt: “Es fehlt knapp eine Million.”

“Es fehlt knapp eine Million”

Das ist viel Geld. Doch wenn es gelingt die enorme Begeisterung der Mitglieder in den Kanton Bern hinauszu tragen relativiert sich dies. Ein Franken pro Kopf der Berner könnte fast reichen.  Dass hier an der Laubeggstrasse Christen, Muslime, Juden, Buddhisten und Hindus dicht zusammen sitzen und nach dem offiziellen Teil im Vorgarten zum “Festmahl” bleiben, kann bereits als Wunder bezeichnet werden. An den Sitzungen staunt Albisetti immer wieder über die Allianzen die sich ergeben: “Plötzlich vereinen sich Vertreter von Religionen, die gegeneinander  Krieg führen. Mich faszinieren die verschiedenen Formen sich an Gott zu wenden.”

Regula Mader, Guido AlbisettiRegula Mader, Vizestiftungsrat und Guido Albisetti

“Plötzlich vereinen sich Vertreter von Religionen, die gegeneinander Krieg führen.”

Laut Bauplan führen im “Haus der Religionen” am Europaplatz vom gemeinsamen Foyer Wege zur christlichen Kirche, zur Moschee, zum Bahai-Zentrum und zu den buddhistischen und hinduistischen Tempeln: alle auf gleicher Ebene. In Gesprächen mit den Beteiligten, hat Albisetti Etliches berücksichtigen gelernt.

Gemeinsames Essen Gemeinsames Essen nach dem offiziellen Teil.

“Die Hindus brauchen direkte Verbindung zur Erde”

“Die Hindus brauchen direkte Verbindung zur Erde”, erzählt er. Da wurde ein planerisches Wunderwerk ausgeheckt, “eine Art Säule, die wie ein Pilz vom Tempelboden hinunterwächst”. Die Moschee sollte nach Mekka ausgerichtet sein. “Das könnte uns nicht ganz, aber akzeptabel gelingen.” Auch dass Hindus um ihren Tempel herumlaufen können, sei gesichert, erzählt Albisetti, “nach jahrelangem Planungsprozess und vielen Diskussionen.”

Gemeinsames EssenFeine Spezialitäten locken
Küchenmeister mit GehilfinnenKüchenchef mit attraktiven Gehilfinnen.

Eine Synagoge ist nicht vorgesehen, da die rund 800 Juden im Kanton Bern zwei Synagogen besässen. “Aber auch die Juden sind sehr aktive Mitglieder.” Reformierte und Katholiken haben sich auf ein gemeinsames Gotteshaus geeinigt.

Wenn dies kein Wunder ist. . .

Und das alles in Bern! Wenn dies kein Wunder ist. . . In Bern, wo einst ein Bernburger, der eine Katholikin ehelichte, aus der Mutzenstadt verbannt wurde! In Bern,   wo vor 400 Jahren Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden.  Albisetti weist in Verteidigung auf uralte soziale Traditionen der Bernburger für Arme und Schwache. Ursula Streit, die mit ihrer Stiftung das Projekt mit drei Millionen unterstützt, blickt in die Zukunft: “Das Haus der Religionen ist ein einmaliges Projekt, zunächst von Berner Verhältnissen ausgehend, weil hier die Initiative ausgelöst wurde und die Religionsgemeinschaften am kooperativsten waren, aber mit Bestimmtheit weit über den Kanton hinaus ausstrahlend und Zeichen setzend für die Schweiz und Europa.”  Trotz vieler Absagen, die Geldsammler Albisetti auf seine über 80 Gesuche einstecken musste, will er bis zur Verwirklichung kämpfen.

Viele verschiedene Wege und Formen weisen Richtung  Himmel

Er hat auch viele gute Erfahrungen gemacht: “Es gibt sehr grosszügige Menschen in Bern.” Und es könnte ja sein, dass die eine oder andere Firma in Bern doch eine noch jungfräuliche Spendefreudigkeit Richtung Europaplatz entdeckt. “Stiften könne man aus Überzeugung oder einfach um sein Portemonnaie zu erleichtern”, gibt Anwalt Albisetti zu bedenken. So oder so: Aktionen auch im bescheidenen Umfang laufen weiter. Für mehr Informationen siehe:

<http://www.haus-der-religionen.ch/Europaplatz> .

Wer im grossen Gebäude,  das Generalunternehmer Halter erstellen wird, sonst noch einziehen will, weiss Guido Albisetti (noch) nicht.  Die Stiftung “Haus der Religionen” beansprucht ein Stockwerkeigentumsanteil von 17 Prozent im Parterre. Wenn die Mieter, die religiösen Institutionen, ihr Gotteshaus, ihre Moschee und ihre Tempel am Europaplatz einweihen können, will sich Brückenbauer Guido Albisetti zurückziehen.  Doch wer weiss, der tolerante und weltoffene Geist, der unter den Mitgliedern des Vereins herrscht, begeistert auch ihn zunehmend. Und Wunder sind bei so vielen verschiedenen Wegen und Formen Richtung Himmel nicht aus zu schliessen. Einem Wunsch von Guido Albisetti konnten wir nicht widersprechen: “In meinem Porträt müssen das Haus der Religionen, die Mitglieder des Vereins und alle seine Freunde und grossen und kleinen Stifter und Stifterinnen die Hauptrolle spielen.”

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