Sehen und gesehen

17. April 2009

Wie fies Schütz auf Peter Brabeck schoss

Chefredaktor Schütz, der mit Cash fies auf Peter Brabeck schoss, schaltet mit seinem Wirtschaftsheft „Bilanz“ neu auf Schmusekurs gegen den Nestlé-Präsident.

Dirk Schütz, seit einem Jahr Bilanz-Chefredaktor schaltet auf Schmusekurs. Und dieser wirkt ebenso peinlich und unglaubwürdig, wie die Hatz, die Dirk Schütz im 2005 als neuer Chefredaktor von Cash gegen Nestlé und Peter Brabeck betrieb. Ein Beispiel für mehr als fragwürdigen Journalismus.

Statt rückblickend eine Verantwortung wahrzunehmen und die mediale Hatz auf Peter Brabeck zu hinterfragen, masst sich das Blatt von Chefredaktor Schütz an, Lorbeeren zu erteilen. Da liest doch der geneigte Leser in der aktuellen Bilanz: „Das Doppelmandat hat er aufgegeben, über seine Bezahlung will er abstimmen lassen: Nestlé-Präsident Peter Brabeck hat sich zum Musterknaben der Unternehmensführung gewandelt.“

Gewandelt? dürften sich da wohl Etliche gefragt haben, die Peter Brabecks Arbeit seit Jahren kennen und schätzen. Peter Brabeck gilt in Wirtschaftskreisen nach wie vor als einer der Besten. Gewandelt? Da wird ein Wandel vorgegeben, statt klar und deutlich eine Fehlprognose des Chefredaktors zu gestehen.  Statt zu schreiben, dass auch das befristete Doppelmandat von Peter Brabeck für Nestlé nicht schlecht war, und dass sich die Attacken von Schütz als falsch erwiesen. Statt  die fiese Hatz des Chefredaktors zu entlarven, wird diese überhaupt nicht erwähnt. Das wäre wohl allzu peinlich für Schütz, den Vorgesetzten des Autors des Artikels.

Die mediale Richtungswende wird dem Leser anders schmackhaft gemacht: Der scharf attakierte Manager hat sich gewandelt! Diese Aussage wird noch mit einem löblichen Zitat ausgeschmückt.

«Spricht Peter Brabeck, hört ihm die Corporate Community weltweit zu», wird Consultant Thomas Borer-Fielding zitiert. Als ob dies nicht längst selbstverständlich wäre. Vielleicht hat auch Borer dies nicht erst jetzt gemerkt . . . der Leser erfährt nicht wie und wann das – aus dem Zusammenhang gerissene – Zitat entstanden ist.

Doch das süssliche Gesäusel aus dem von Schütz dirigierten Blatt, dürfte Peter Brabeck sauer aufstossen. Die Attacken, die sich Schütz mit seinem Cash von Woche zu Woche gegen den Nestlé-Chef leistete, hat Peter Brabeck nicht vergessen. Im Interview, das er Carmen Gasser von der Weltwoche kürzlich gewährte, schildert Peter Brabeck, was die Hatz (die Chefredaktor Schütz im Cash fast wöchentlich inszenierte), bewirkt hat.

Peter Brabeck: „Die Situation war emotional so aufgeheizt, dass mich die Leute auf dem Gehsteig fast anspuckten und Erpresserbriefe schrieben. Verständlich, wenn man auf einer Titelseite liest: «Brabeck will doppelt so viel verdienen, sein jetziges Gehalt reicht ihm nicht, deshalb will er das Doppelmandat.”

Peter Brabeck nennt keine Namen. Doch meine Erinnerung und Blicke in die Archive genügen: Schütz bliess damals mit seinem Cash aus vollen Rohren.

Statement und Richtigstellung von Silvia Pfenniger

Peter Brabeck sagte im Weltwoche-Interview rückblickend: „Dabei hat nie jemand mit mir geredet, es wurde keine faire Diskussion darüber geführt, warum der Verwaltungsrat so entschieden hatte.“

Dass niemand von Cash mit Peter Brabeck gesprochen hat, stimmt so nicht. Die wahre Geschichte ist schlimmer und dreckiger. Ich habe die Sache hautnah miterlebt. Ich war damals festangestellte Journalistin und schrieb seit über 15 Jahren für Cash. Ein paar Tage nachdem bekannt wurde, dass der Nestlé-VR ein Doppelmandat für Peter Brabeck in Betracht ziehe, habe ich mit Peter Brabeck ein 10-Minuten-Gespräch zu diesem Thema geführt. Es war am Rande der 225-Jahr-Feier der NZZ im grossen NZZ-Zelt auf der Sechsläutenwiese, wo Peter Brabeck an einem Podiumsgespräch teilnahm. Bruno Affentranger, heute bei Cash für spezielle Aufgaben zuständig, damals stv. Chefredaktor von Cash, freute sich über meinen aktuellen Text, dem er auch einen entsprechenden Platz einräumen wollte. Bis anhin hatte noch keine Zeitung ein Gespräch mit Peter Brabeck zu diesem Thema geführt.

Doch es kam anders: Chefredaktor Dirk Schütz passten die Aussagen von Peter Brabeck nicht ins Konzept. Mein Text, den ich für die Cash-Ausgabe vom 19.1.05 ablieferte (siehe unten!) wurde von Schütz auf ein paar Zeilchen zusammengekürzt. Schütz wollte seine geplante Attacke nicht durch Aussagen von Peter Brabeck abgeschwächt haben. Dazu die folgenden zwei Dokumente.

(Es folgt das oben erwähnte Manus, das Silvia Pfenniger an Affentranger gemailt hat)

“Pragmatischer Nestlé-Chef. – Peter Brabeck, CEO und designierter VR-Präsident von Nestlé, sieht seinem Doppelmandat gelassen entgegen. Zum Doppelmandat sagte Brabeck: Er werde im Jahr 2008 als CEO zurücktreten. Bis dann wolle er Begonnenes umsetzen. Auf die Frage, ob dies nicht sein Nachfolger tun könne, sagte der CEO: Ein für die Führung von Nestlé geeigneter CEO würde sich bedanken, bloss die Vorhaben seines Vorgängers umzusetzen.
Er denke nicht, dass dies ihm einen grossen zeitlichen Mehrauswand verursache, sagte er auf die Frage von CASH. Auch als CEO sei er ja bei den Treffen mit dem Präsidenten meistens involviert. Trotzdem werde er betreffend seiner anderen Mandate – Brabeck ist im VR von Roche und CSG – den Zeitaufwand genauer ansehen und allenfalls reduzieren. Das müsse nicht heissen, das er auf eines der Mandate verzichte. “Man kann auch einzelne Aufgaben in Kommissionen reduzieren”, erklärte Peter Brabeck bevor er am Podiumsgespräch im  NZZ-Zelt zum Thema “Neue Spielregeln für die Führungsetagen” teilnahm.“ Peter Brabeck wird sich auch dieses Jahr am WEF in Davos an einer Diskussionsveranstaltung des Open Forums WEF- und Globalisierungskritikern stellen. Es ist sein einziger offizieller Auftritt in Davos. “Ich mache dort mit, weil es lebhaft und wirklich herausfordernd ist”, sagte Brabeck gegenüber CASH.“

(Aus dem Editorial von Schütz, mit dem er die Hatz auf Peter Brabeck lancierte. Cash 20.01.2005)

„Eine Todsünde bei Nestlé“
Dirk Schütz, Chefredaktor

Kein Schweizer Konzern kreist so in seinem eigenen Orbit wie Nestlé. Schnellen Finanzmoden hat sich der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller immer widersetzt, und die langfristige Ausrichtung bildete in den letzten Jahrzehnten die Grundlage des enormen Erfolgs.

Doch jetzt wehrt sich Nestlé nicht gegen eine Mode, sondern gegen einen langfristigen und richtigen Trend: Die Trennung von VR-Präsidium und operativer Konzernleitung. Indem Peter Brabeck im April beide Ämter übernimmt, steht der Weltkonzern gerade im Vergleich mit internationalen Grosskonzernen schlecht da.

(Eine Woche später konnte Schütz im Cash-Rückblick melden, dass die anderen Medien mitmachten.)

Cashback  S. 9, zu Managerlöhnen  27.1.05
«Jetzt melden sich die Doyens zu Wort»

Der Vorschlag des Verwaltungsrates von Nestlé, Konzernchef Peter Brabeck auch zum VR-Präsidenten vorzuschlagen, stösst auf Kritik. In einem Porträt beleuchtet die «Sonntags-Zeitung» den steilen Aufstieg des 60-jährigen Österreichers, der den Nahrungsmittel-Multi seit 1997 operativ führt. Unter anderem wird erwähnt, dass Brabeck mit einem Gehalt von rund 14 Millionen Franken hinter Topverdienern wie Marcel Ospel und Daniel Vasella zurückliege und sich darüber ärgere.»

(Aus dem mail an Dirk Schütz, das Silvia Pfenniger am 20.1.05 mit Kopie an Thomas Trüb und Martin Werfeli  schickte.)

„Lieber Dirk

Nachdem sogar exklusive Artikel von mir – wie der Auftritt von Swiss-CEO Franz bei der Swiss-American Chamber am Mittwoch, wo ich als einziger Journalist zugelassen wurde – im Cash keinen Platz mehr haben, nachdem ein exklusives 10-Minuten-Gespräch, – mit Peter Brabeck im NZZ-Zelt – auf dürre paar Zeilen zusammengekürzt und sogar ohne Ortsangabe gedruckt wurde (siehe Leute), werde ich ab sofort meine Arbeit für CASH strikte auf die vertraglich bestimmte Produktion der Gesehen-Seite beschränken und auch mit anderen Medien zusammenarbeiten.“

Angefügt sind zur Illustration ein paar Beispiele von Texten, die im von Dirk Schütz dominierten Cash im 2005 erschienen sind:

„Brabeck auf dem zweitletzten Platz“

„Nestlé Doppelmandat – Der Widerstand gegen die Brabecks nimmt zu. Die Argumente, die der Nestlé-Chef ins Feld führt, um sein angestrebtes Doppelmandat zu rechtfertigen, sind nur wenig überzeugend. Eines ist sogar falsch. Nicht nur deshalb wird die Opposition immer gewichtiger. (Cash 31.03.2005).

„Verglichen mit den Artikeln über Christoph Franz (red. wegen des Stellenabbaus bei der Swiss) sind böse Kommentare zu Nestlé-Chef Peter Brabeck direkt Mangelware. Brabecks Doppelmandat und sein hohes Salär von gegen neun Millionen Franken erzürnten die Presse dann aber doch so stark, dass er auf dem zweitletzten Platz landete.“ (Cash Februar 05) Die Cash-Spitzenränge nehmen Franz Humer (1) und Peter Wuffli wegen seines „seriösen Auftretens“ (2) ein.

Selbst die Cash-„Fashion-Polizei“ hetzte gegen Peter Brabeck

„Peter Brabeck: Wir konstatieren Hat er vergessen, den obersten Knopf an seinem Jackett zu schliessen? Oder ist das Absicht? Und sind nicht sowohl die Jacke als auch die Hose etwas gar lang? Wir hören zu Joan: «Für ein Ganzkörperfoto wie dieses würde ich den obersten Knopf des Jacketts unbedingt schliessen. So sieht das komisch aus.» Suzanna: «Ja, ich auch. Und ich würde ihm einen Zweireiher empfehlen. Dieses Jackett ist sehr klobig.»
Clifford: «Und um einiges zu lang.» Suzanna: «Stimmt. Und die Hose sitzt auch nicht besonders gut.» Clifford: «Das ist so eine typische Armani-Hose aus den Achtzigern.»
Joan: «Was man ihm zugute halten kann, ist sein Teint. Gerade mit dem Grau des Anzugs sieht das sehr gut aus. Für ein Porträtfoto wäre er wunderbar angezogen.» Wir lernen: Den obersten Knopf am Jackett prinzipiell schliessen. Helle Anzugjacken wirken oft etwas klobig. Braun und Grau gesellt sich gern. (Nein, das Gequatsche ist nicht aus einem Modeblättchen sondern aus der Cash-Küche von Schütz vom 3.2.05!)

Lobgesang auf Ospel und Wuffli eines gierigen Buchautors namens Schütz

Im Unterschied zu Peter Brabeck wurden Ospel und Wuffli von Schütz mit viel Lob bedacht. Zu Marcel Ospel und Peter Wuffli verkündete Schütz: „Im Gegensatz zu Ospel und Wuffli haben Mühlemann und Wellauer nicht etwa Werte geschaffen, sondern mehr als 30 Milliarden Franken an Börsenwert vernichtet.“

So lobt Schütz die UBS-Chefs Ospel und Wuffli im Cash-Vorabdruck (3) des „Gier“-Buchs, wo Schütz „die (Lohn-)Exzesse bei der Credit Suisse beleuchtet“. Da meint und schreibt Schütz: „Denn dass das Management der heutigen UBS unter Marcel Ospel und Peter Wuffli aus der verschlafenen Nummer 3 der Schweizer Bankwelt die höchstbewertete Bank Kontinentaleuropas gemacht hat, ist zweifellos die Erfolgsstory im europäischen Banking der letzten zehn Jahre. Der ewige Rivale Credit Suisse ist dagegen eines der abschreckendsten Beispiele für die Exzesse.“ Mehr dazu offerierte Cash im Buch namens „Gierige Chefs“ seines Chefredaktors – „samt Bestellcoupon Seite 60“.

Zurück zu den Cash-Attacken auf Peter Brabeck  – Beispiel X

„Jetzt kommt der doppelte Brabeck vors Volk“. (Cash 03.03.2005)

„Dominique Biedermanns Herz muss hüpfen.“ (Cash 03.03.2005)

„Laut Ethos-Chef Dominique Biedermann hat Peter Brabeck noch keinen korrekten Grund geliefert, warum er beide Mandate innehaben müsse. Brabeck selbst spricht diffus von der langfristigen Strategie von Nestlé. Im Grunde sei er aber für die Trennung. Für Biedermann ist hingegen klar: «Der Mann hat ein Machtproblem.“ (Cash 03.03.2005)

Dazu aus dem Bericht auf der Cash-Gesehen-Seite zu Peter Brabeck am Open Forum 05 in Davos

„Peter Brabeck stellte sich beim Open Forum den Fragen von wirtschaftskritisch Gesinnten. Diesmal erntete der österreichische Nestlé-Chef, der sich als «höchstbezahlter Fremdarbeiter der Schweiz» outete, keine Buhrufe – sondern Zwischenapplaus. (Aus Gesehen im Cash von Silvia Pfenniger vom WEF 05)

Mehr folgt demnächst über den Auftritt von Peter Brabeck am Ethos-Jubiläum, sowie über die Eröffnungsfeier der weltweit grössten Nestlé-Milchfabrik in Pakistan im 2007 mit dem damaligen Präsidenten Musharraf, Peter Brabeck und Nestlé-Pakistan-Chef Roland Decorvet, inzwischen Chef von Nestlé Schweiz.

Siehe auch:

140. Nestlé-GV (klick!)

141. Nestlé-GV – Peter Brabeck tritt als CEO zurück, aber arbeitet und warnt als Präsident weiter (klick!)

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